

Die Lüftung ist in hygienischer Hinsicht erforderlich, damit frische Luft von guter Qualität ständig zugeführt wird und aus dem Bauwerk insbesondere die Feuchtigkeit abgeführt wird, die durch Aufenthalt (Atmung, Schwitzen) und Tätigkeit (Kochen, Waschen, Trocknen, Baden) der darin lebenden Personen entsteht, sowie weitere Schadstoffe und Gerüche. Dazu zählen auch die Stoffe, die sich aus Möbeln, Teppichen, Kunststoffen, Farben und Reinigungsmitteln freisetzen, sowie Verbrennungsgase, die beim Kochen und Braten mit Gas entstehen. In manchen Fällen kann es sich auch um Radon handeln, das ins Bauwerk aus dem Unterbau durchdringt.
Die Lüftung sollte für eine hygienisch minimale Luftwechselintensität sorgen. Das hygienische Minimum ist vom Volumen eines bewohnten Raums und von der Anzahl der darin lebenden Personen und deren Tätigkeiten abhängig.
Die Lüftung von Häusern stellte früher eine natürliche bewusste oder unbewusste Sache dar. Falls einzelne Räumlichkeiten mit Öfen lokal beheizt wurden, bildete das System Öfen - Schornstein ein Belüftungssystem, und zwar dank einer unvollkommenen Dichtheit oder einer absichtlichen Undichtheit von Ofentüren auch in der Zeit, wann nicht geheizt wurde. Für die Luftzufuhr sorgten unvollkommen dichte Fenster und Türen. Diese „unbewusste” Lüftung wurde oft durch die „bewusste“ Lüftung ergänzt, die durch die „regelbare” Lüftungsrosette erfolgte, die im Raum des Schornsteinzuges installiert wurde. Solche Lüftungen waren bei alten Bauwerken von großer Bedeutung, denn alte Bauwerke wurden meistens nicht gut gegen Feuchtigkeit isoliert, und durch die Lüftung sorgte man für eine mehr bzw. weniger erfolgreiche Abführung von Feuchtigkeit, die durch Baukonstruktionen eingedrungen sind.
Durch den Übergang von lokaler Beheizung mit festen Brennstoffen auf Zentralheizung wurden Schornsteinanschlüsse in einzelnen Räumlichkeiten und dadurch auch das einfachste Belüftungssystem beseitigt. Auch beim Übergang auf Zentralheizung mit Kessel auf feste, flüssige oder gasförmige Brennstoffe sorgte der Kessel immer mindestens für eine bestimmte „Lüftung“ im gesamten Wohnraum. Der Kessel wurde im Keller oder in einem Kesselraum (bei der so genannten „Zentralheizung“) oder direkt in der Wohnung (bei der so genannten „Etagenheizung“) aufgestellt, d.h. in den Räumlichkeiten, die mehr oder weniger mit dem beheizten Raum mit Fluren und Türen direkt verbunden waren. Durch eine „dichtere“ Trennung des Kessels vom Wohnraum und insbesondere durch den Übergang auf Stromheizung wurde die Form von „unbewusster“ Lüftung beseitigt. Die wegen „Wärmeverlustsenkung“ abgedichteten Fenster und danach dichte Fenster und Türen haben die Luftmenge reduziert, die natürlich gewechselt wurde – durch die so genannte Infiltration und Exfiltration. Diese Situation führte und führt in vielen Fällen dazu, dass das Bauwerk „selbst“ nicht mehr atmet.
Die oben beschriebene Entwicklung der Beheizung wurde parallel auch von der Entwicklung von Baumaterialien und –Konstruktionen für Außenwände der Gebäude begleitet. Durch die Feuchtigkeitsisolierung wurde die Feuchtigkeitseindringung ins Bauwerk reduziert oder sogar verhindert, durch einen erhöhten Wärmewiderstand wurde die Oberflächentemperatur von Wänden erhöht. Bei einer unzureichenden Lüftung kann es sowohl in renovierten alten Bauwerken als auch in Neubauten zu Schwierigkeiten kommen – Kondensation der Feuchtigkeit und anschließende Bildung von Schimmelpilzen in kritischen Räumlichkeiten und an kritischen Stellen (alte Ecken und Wärmebrücken), insbesondere in Bädern und Küchen, aber auch in Schlafzimmern (die in der Regel auf eine niedrigere Temperatur beheizt werden), d.h. in den Räumlichkeiten mit einem größeren Feuchtigkeitsrisiko. Es ist überraschend, in wie großer Anzahl von alten sowie neuen Bauwerken zu solchen Problemen kommt.
In den Bauwerken, in denen Erdgas nicht nur für Heizung verwendet wird, sondern auch für das Kochen, kann es zu einer weiteren Verschlechterung der Situation kommen, weil durch die Gasverbrennung beim Kochen nicht nur Gasverbrennungsprodukte entstehen, sondern auch Wasserdampf. Eine unzureichende Abführung von Verbrennungsgasen führt also auch zu einer unzureichenden Abführung der Feuchtigkeit.
Heute wird meistens vorausgesetzt, dass die erforderliche Lüftung auf natürliche Weise erfolgt: durch die Infiltration – durch eine unbeabsichtigte Durchdringung frischer Luft herein und durch die Exfiltration – durch eine unbeabsichtigte Durchdringung der Abluft hinaus. Natürliche Lüftung wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, insbesondere durch Fugendurchlässigkeit, d.h. durch Undichtheiten von Fenstern und Türen und Gebäudesituierung bzw. durch Wind.
Falls die Lüftungsintensität nicht ausreichend ist, kommt es zu einer Situation, die als „ausgeatmete Luft“ wahrgenommen wird und die durch Fensteröffnung verbessert wird. Es ist selbstverständlich, dass die durch Infiltration oder Fensteröffnung gewechselte Luft auf eine Temperatur der beheizten Räumlichkeit erwärmt werden muss. Durch die Lüftung werden also die Anforderungen an Wärmeverbrauch für Heizung erhöht. Diese Anforderungen sind dabei von der Lüftungsintensität abhängig.
Bei der beschriebenen natürlichen Lüftung kann nicht garantiert werden, dass dadurch die daran gestellten Anforderungen erfüllt werden, man kann sagen, dass diese Lüftung „nicht unter der Kontrolle steht”. Einerseits muss für die gewünschte Lüftungsintensität nicht gesorgt werden (bei „gedichteten“ Fenstern und Türen), anderseits kann sie aus dem Grund einer höheren als erforderlicher Lüftungsintensität energieintensiv sein (bei undichten Fenstern und Türen oder bei einer häufigen Fensteröffnung).
Aus den vorstehenden Tatsachen ergibt sich, dass die Lüftung nicht nur hygienisches Umfeld im Haus beeinflusst, sondern auch den Energieaufwand. Optimale Lüftungsintensität und Senkung des Energieaufwandkönnen durch Ersatz der natürlichen Lüftung durch Zwangsbelüftung erzielt werden.
Die Anforderungen an die Lüftung gehen also von hygienischen Bedürfnissen aus. Anschließend bestimmen sie energetische Ansprüche und je nach dem ausgewählten Lüftungssystem auch den Energieaufwand der Lüftung.
In älteren Bauwerken (mit schlechteren wärmetechnischen Eigenschaften) beteiligt sich der Wärmebedarf für die Lüftung am gesamten Wärmeverbrauch für die Heizung mit ca. 15 %. Bei neuen Bauwerken mit wärmetechnischen Eigenschaften entsprechend den aktuellen Anforderungen der bautechnischen Normen kann dieser Anteil bis zu 40 % und mehr betragen. Es ist offensichtlich, dass durch eine unzureichende Lüftung „eine Wärmeeinsparung für Heizung erzielt wird”, jedoch mit allen ungünstigen hygienischen Folgen, und zwar sowohl im Bauwerk (Schimmelpilze), als auch bei den im Bauwerk lebenden Personen (Sporen aus Schimmelpilzen sind gesundheitsschädlich).
Bei den Neubauten ist zu betonen, dass insbesondere in den ersten Jahren die Feuchtigkeit aus dem Bauwerk abzuführen ist, die darin durch die Bautätigkeit und in vielen Fällen auch durch Baumaterialien hineingetragen wurde, die aus produktionstechnologischen Gründen (aber zum Beispiel auch wegen einer ungeeigneten Lagerung) hohen Wassergehalt enthalten können.